Botox

Botox ist bekannt als Mittel zur Glättung von Hautfalten.
Botox ist der bekannte Markenname eines Präparates; wir verwenden diesen hier einfachheitshalber als Begriff für alle botox-artigen Präparate.
In dieser Verwendung ist es weltweit bekannt geworden und hat sich von einem Medikament zu einem eigentlichen Lifestyle-Produkt gemausert, das seinen Produzenten wie auch den verabreichenden Aerzten phantastische Gewinne abwirft.
Botox wird auch als Medikament bei eigentlichen Krankheiten eingesetzt, zum Beispiel bei krankhaften Muskelkrämpfen (Dystonien) von Skelettmuskeln oder dem Blasenmuskel. Im Rahmen der aktuellen Popularität wird Botox bei immer weiteren medizinischen Indikationen erprobt und eingesetzt, z.B. als Therapie für Migräne.
Noch heute wissen viele Anwender nicht, dass die Produktion von Botox mit äusserst qualvollen Tierversuchen verbunden ist. Auch heute noch (2025)!
Wäre dies den Konsumenten bekannt, so würde den meisten Nutzern wohl die Freude an ihren verminderten Falten im Hals stecken bleiben. Hier deshalb ein paar Fakten zu Botox:
Was ist Botox?
Botox ist ein extrem starkes Nervengift (Botulinumtoxin, BoNT), das von Bakterien gewonnen wird (Clostridium botulinum). Es blockiert die Signalübertragung vom Nerven zum Muskel und führt so zu Lähmungen. Wird es dem ganzen Körper verabreicht und nicht rein lokal durch eine Spritze, so führt es zu Lähmungen der Atemmuskulatur und somit zu ersticken.
Wie wirkt Botox?
In der Kosmetik durch dosierte Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Hierdurch glätten sich die Falten etwas, aber dies nur für wenige Monate.
Was sind das für Tierversuche, die für Botox durchgeführt werden müssen?
Da Botox ein so starkes Nervengift ist, das auch rasch einmal tödlich werden könnte wenn überdosiert, muss der Gehalt an Botox in jeder Produktionseinheit (Charge) überprüft werden.
1. Schritt: Bulktestung, d.h. Testung der von Bakterien gewonnenen Ausgangslösung für Botox
Der erste Schritt ist die Gewinnung des Gifts von Bakterien. Diese erste Lösung heisst Bulk und muss auf die Konzentration des Giftes Botox getestet werden (Bulktesting).
Dies geschieht klassischerweise mit dem sog. LD50-Test (LD=lethal dosis,oder Mouse Lethality Bioassay MLB). Hierzu spritzt man Mäusen Botox in die Bauchhöhle und bestimmt die Dosis, die es braucht, bis genau 50% der Tiere tot sind.
Diese Tiere sterben aber nicht einfach so, sondern erleiden einen äusserst qualvollen Tod durch die Nervenlähmungen mit Schmerzen und Krämpfen, bis sie schliesslich an der Lähmung der Atmung ersticken, bei vollem Bewusstsein. Dies kann mehrere Tage dauern, je nach verabreichter Dosis.
Ein universell einsetzbarer und breit akzeptierter Test für die Bulk-Testung existiert bis heute nicht. Es gibt Hinweise dafür, dass Firmen an Tests mit menschlichen Zellkulturen (Cell-based Assays CBA) arbeiten, Stand 2025 gibt es diese aber für die Bulktestung noch nicht. Gemäss einer Arbeit von 2025 (Watkins, NAM-Journal) haben 8 von 10 Firmen einen Zelltest für ihr Präparat entwickelt für den letzten Schritt des Batchtesting, aber wahrscheinlich nur 2 einen Test für den ersten Schritt, das Bulktesting. Trotz extensiver Suche ist es diesem Team von Forschern bei dieser Arbeit nicht gelungen genau herauszufinden, welche Firmen für welchen Schritt welchen Test machen - fehlende Transparenz!
Neue Botoxprodukte müssen ohnehin zuerst wieder im LD50-Test untersucht werden.
Somit ist bis heute bei der Bulktestung der Maustest Standard.
2. Schritt: Batchtesting, also Testung der mit Zusätzen zum Medikament verarbeiteten Ausgangslösung, des abgabefertigen Medikaments
In diesem Arbeitsschritt werden der Ausgangslösung weitere Substanzen zugesetzt und diese in kleinere Einheiten verpackt (Batches). Diese müssen wieder auf die jetzt vorhandene Giftkonzentration getestet werden (Batchtesting).
Dies macht die Mehrheit der Tests aus und kann und darf ohne den Maustest durchgeführt werden, sondern mit menschlichen Zellkulturen (Cell-based Assays CBA).
Oft wird trotzdem noch der Mäusetest angewandt!
Für jeden Chargentest braucht es 100 Mäuse.
Die Alternative: der Test mit menschlichen Zellkulturen (Cell-based Assays CBA)
Einige Firmen (Allergan mit 'Botox' und 'Vistabel' 2011, Merz mit Bocouture 2015, Ipsen 2018) haben Tests entwickelt, mit denen sie einen Teil der LD50-Test an Mäusen nicht mehr durchführen müssen. Diese neuen Testverfahren sind von den zuständigen Behörden anerkannt worden.
Aber auch diese Firmen müssen ihre eigenen Test gelegentlich am LD-50-Test überprüfen, womit auch bei Verwendung dieser Präparate von Herstellern mit zellbasierten Tests hiermit qualvolle Tierversuche verbunden sind.
Neben den 3 grössten Herstellern Allergan, Merz und Ibsen sind aber auch asiatische Firmen wie Daewoong (Südkorea), Evolus, Hugel, Eisai (Japan) in die Produktion eingestiegen und haben bis heute (2025) keinen Zelltest anstelle des Maustests vorgelegt! Diese machen also weiter den Maustest!
Ein weiterer Grund, warum es immer noch so viele Mäusetests gibt, ist, dass auch Firmen, die einen Zelltest haben, trotzdem Mäusetests machen für den Export von Botox in Länder, in denen der Zelltest noch nicht anerkannt ist.
Pharmafirmen sind (leider) nicht gezwungen einen versuchstierfreien Test anzuwenden! So können sie auf Wunsch eines fernen Landes auch weiter Maustests durchführen!
Allergan antwortet zwar schnell auf die Anfrage, ob sie ihre Chargentests mit dem Zelltest machen können (können sie), aber auf die Nachfrage, wie es beim Bulktest oder Wünschen von anderen Ländern steht, erhielten wir im Frühling 2024 keine Antwort - was allerdings auch eine Antwort ist.
Wie viele Botox-Behandlungen werden pro Jahr aus kosmetischen Gründen gemacht?
Mindestens die Hälfte von Botox wird aus kosmetischer Indikation eingesetzt.
2019 wurden alleine in Europa 11 Millionen kosmetische Behandlungen mit Botox durchgeführt (Decates 2023).
Sind Produktion und Vertrieb eines Produkts, das vorwiegend ein Kosmetikartikel ist, mit dem Tierschutzgesetz vereinbar?
Generell ist akzeptiert, dass keine Tierversuche mehr für Kosmetikprodukte durchgeführt werden sollen. Da Botox aber auch als Medikament verwendet wird, sind Tierversuche weiter zulässig.
Wieviele Mäuse müssen für Botox jährlich qualvoll sterben?
Man geht davon aus, dass etwa 20% der Tests auch heute noch mit dem LD50-Test gemacht werden müssen !
Alleine in Europa und UK wurden noch ca. 200'000 Mäuse pro Jahr gebraucht gemäss der besten verfügbaren Schätzung von Watkins, publiziert im NAM-Journal 2025.
Um wie viel Geld geht es bei Botox?
Gemäss dem Jahresbericht 2006 von Allergan (Hersteller von Botox) wurde Botox zum Blockbuster.
982 Millionen US Dollar wurden 2006 umgesetzt, hinzu kommt der Umsatz in Japan und China.
Im Geschäftsbericht 2016 von Allergan steht:
'BOTOX® Cosmetic net revenues in the fourth quarter of 2016 were $199.4 million, up 18 percent versus prior year quarter reflecting continued strong volume growth', also 200 Mio Dollar in 3 Monaten, pro Jahr also etwa 800 Mio Dollar 'net revenues'; weiterhin ein riesiger Markt.
Da der Absatz stetig zunimmt, geht man davon aus, dass bis 2031 der Umsatz 2,9 Billionen US-Dollar betragen wird (businessmarketinsights.com).
Was können wir tun gegen diese Tierversuche?
- Wir können das Produkt meiden!!
- Wir sollten verbieten, dass grausame Tierversuche (LD50-Test) für das ferne Ausland gemacht werden, wenn ein versuchstierfreier Test existiert und in der EU akzeptiert ist. Nicht wir müssen dann den alten grausamen Test fortsetzen, sondern die Schwellenländer müssen sich modernisieren!
- Wir müssen darauf hinarbeiten, dass die zuständigen Behörden mehr Druck aufsetzen zur Entwicklung von versuchstierfreien Methoden und dafür sorgen, dass dann auch nur diese angewendet werden.
Stand Juli 2025
Sehen Sie hier einen Beitrag zum Thema Botox vom Kassensturz (anklicken)
Die neuste Übersichtsarbeit zum Thema Botox finden Sie hier.