Lehrstuhl für einen wissenschaftsbasierten Ausstieg aus Tierversuchen in der Schweiz
Zusammen mit einer Allianz wissenschaftsbasierter Tierschutzorganisationen möchten wir einen Lehrstuhl für einen wissenschaftsbasierten Ausstieg aus Tierversuchen, oder in Anlehnung an den etablierten englischen Sprachgebrauch, einen Lehrstuhl in evidenzbasierter Transition zu tierfreien Innovationen, für die Schweiz etablieren.
Brain organoid, Credit Prof. Thomas Hartung, Johns Hopkins University
Warum dieser Lehrstuhl?
Die bisherigen Bemühungen der Schweiz, das Leiden der Versuchstiere zu mindern, konzentrieren sich in erster Linie auf das Prinzip 3R. Trotz weitgehender Umsetzung von 3R und Bildung des 3RCC ist es jedoch nicht zu einem Absinken der Tierversuchszahlen gekommen. Um dies zu erreichen, muss man also einen Schritt weiter gehen, was weitherum erkannt wurde.
Zu diesem Zweck wurde das Prinzip der evidenzbasierten Transition zu versuchstierfreien Innovationen entwickelt (TPI oder Roadmap).
Nebst dem heute selbstverständlichen 3R-Prinzip beinhaltet das TPI das Bekenntnis, wissenschaftlich abgestützt, langsam, aber sicher aus Tierversuchen aussteigen zu wollen (phasing out) und die Forschung in tierfreie Methoden zu überführen.
Viele Länder arbeiten an einem TPI, mit Beteiligung der Behörden.
Ein TPI ist in der Schweiz aber inexistent. Es wird von vielen Forschern schlicht abgelehnt.
Die Schweiz ist somit auf diesem Feld im internationalen Vergleich im Hintertreffen.
Der grösste Anstieg bei den Tierversuchen findet an den Universitäten statt. Somit wäre es besonders angebracht, hier anzusetzen, mit einem Lehrstuhl in evidenzbasierter Transition zu tierfreien Innovationen für die Schweiz.
Von diesem Lehrstuhl erhoffen wir uns, dass er die Akzeptanz eines TPI nicht nur an seiner eigenen Universität, sondern auch an den übrigen Universitäten der Schweiz erhöht.
Ein erster derartiger Lehrstuhl (Chair for Evidence-Based Transition to Animal-Free Innovations)wurde bereits implementiert, in Utrecht, Holland. Inhaberin ist Frau Prof. Merel Ritskes-Hoitinga.
Ein Lehrstuhl in der Schweiz wäre unseres Wissens weltweit der zweite Lehrstuhl für ein TPI.
Die Schweiz könnte mit diesem Lehrstuhl somit auch international ein Zeichen setzen und zeigen, dass sie aktiv eine tierversuchsfreie Zukunft mitgestalten will.
Zusammenfassend kann man sicher sagen, dass ein solcher Lehrstuhl sinnvoll, aber auch machbar wäre.
Die Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin haben deshalb eine Allianz mit den wissenschaftsbasierten Tierschutzorganisationen der Schweiz gebildet und sind derzeit daran zu evaluieren, wie der Lehrstuhl implementiert werden kann.