Tierversuche im Parlament
Auf dieser Seite sehen Sie, was im Schweizer Parlament beraten wird zum Thema Tierversuche, die aktuellsten Themen zuoberst.
Sie können die einzelnen 'Geschäfte' auch selbst im Internet nachschauen unter https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/curia-vista. Um Ihnen das Leben zu erleichtern haben wir den öffentlichen Text in diese Seite hineinkopiert von obiger Homepage.

Ende Dezember 2024 wurden gleich 3 Vorstösse betreffend Tierversuche eingereicht (Meret Schneider, NR Grüne).
In 2 der 3 Vorstösse verweist sie auf unser Projekt für einen Lehrstuhl für einen evidenzbasierten Übergang zu tierversuchsfreier Innovation. Bisher gibt es einen solchen Lehrstuhl lediglich in Holland, Inhaberin Frau Prof. Merel Ritskes-Hoitinga.
Hier sehen Sie die 3 Vorstösse:
24.4695 Postulat: Alternativen zu Tierversuchen: Forschungsstandort Schweiz stärken!
Eingereicht von:
Grüne Fraktion, GRÜNE Schweiz
Einreichungsdatum: 20.12.2024
Eingereicht im: Nationalrat. Stand der Beratungen: Eingereicht
Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen und Bericht zu erstatten, welche Ansätze zur Förderung tierversuchsfreier Forschungsmethoden im Ausland bereits angewendet werden und inwiefern sie sich im Sinne des erklärten Ziels der Verringerung von Tierversuchen des Bundesrats auch für den Schweizer Kontext eignen könnten.
Die Schweiz hat als führender Forschungs- und Pharmaziestandort auch das Potenzial und die Chance, die Entwicklung und Nutzung tierversuchsfreier Methoden voranzutreiben. Dies ist auch im Sinne des Tierschutzes und des erklärten Ziels des Bundesrats, Tierversuche wo immer möglich zu reduzieren und zu ersetzen. Zudem liegt in tierversuchsfreien Methoden ein erhebliches ökonomisches Potential.
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt jedoch, dass andere Länder in vielen Punkten schon weiter sind als die Schweiz. Um nur einige Beispiele zu nennen: In zahlreichen Ländern – so etwa Deutschland, Grossbritannien und in den Niederlanden – gibt es gezielte Förderprogramme für sogenannte «Organs on a Chip», d.h. hochpräzise Miniaturmodelle menschlicher Organe, mit denen sich gewisse Tierversuche vermeiden lassen. Die deutsche Bundesregierung lässt eine «Reduktionsstrategie» für Tierversuche erarbeiten. In den Niederlanden gibt es ein Zentrum für sogenannte «Helpathon»-Workshops, in denen Forschende gemeinsam ihre Forschungsideen überarbeiten, um ohne Tierversuche auszukommen. Die dortige Forschungsförderstiftung ZonMw setzt bewusst finanzielle Anreize für tierversuchsfreie Projekte. Und es gibt an der Universität Utrecht einen eigenen Lehrstuhl in «evidenzbasierter Transition zu tierversuchsfreien Innovationen». Um nicht hinters Ausland zurückzufallen und um sich im internationalen Forschungsfeld optimal zu positionieren, ist eine Auseinandersetzung mit solchen ungenutzten Möglichkeiten chancenreich und wertvoll für den Forschungsstandort Schweiz.
Mitunterzeichnende (14): Aebischer Matthias Andrey Gerhard Arslan Sibel Badertscher Christine Blunschy Dominik Fischer Benjamin Grossen Jürg Kälin Irène Mahaim Raphaël Prelicz-Huber Katharina Rosenwasser Anna Schlatter Marionna Töngi Michael Trede Aline
Stellungnahme des Bundesrates vom 19.2.2025:
Der Bundesrat will die Schweiz als weltweit führenden Forschungsstandort erhalten und gleichzeitig das Tierwohl gewährleisten. Zu diesem Zweck unterstützt der Bund mehrere Programme und Initiativen im Bereich 3R («replace, reduce, refine»), insbesondere das Nationale Forschungsprogramm «Advancing 3R» (NFP 79) und das Schweizerische 3R-Kompetenzzentrum (3RCC), deren Ziel darin besteht, die Tierzahl in wissenschaftlichen Versuchen zu reduzieren. 2021 lancierte das 3RCC eine Ausschreibung im Umfang von einer Million Franken, um Alternativen zu Tierversuchen des höchsten Schweregrads zu finden. Mehr als die Hälfte der vom 3RCC unterstützten Forschungsprogramme betreffen den Ersatz oder die Reduktion von Tierversuchen. Das 3RCC fördert zudem mithilfe zweckgebunderer Stipendien die Umsetzung bestehender Methoden für den Wissenstransfer in die Praxis. Dank der Arbeiten des 3RCC und des NFP 79 ist die Schweiz gut aufgestellt, um das 3R-Prinzip voranzutreiben – sowohl zur Entwicklung von Methoden, mit denen Tierversuche ersetzt oder reduziert werden können (z. B. organs on a chip, Zellkulturen), als auch zur Beantwortung zentraler Fragen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Tierversuchen und den Konsequenzen einer tierversuchsfreien Forschung. Mehrere Projekte des NFP 79 befassen sich mit ethischen Aspekten. Ihr Ziel ist es, Fragen in Zusammenhang mit einem Ausstiegsplan für Tierversuche, den Vor- und Nachteilen von Tierversuchen für die Gesellschaft und mit der Definition des 3R-Prinzips zu beantworten. Alle diese ethischen und wissenschaftlichen Projekte werden von Forschenden geleitet, die den Entwicklungen im Ausland Rechnung tragen. Ausserdem sind sowohl in der Leitungsgruppe als auch im «Implemetation Advisory Board» des NFP 79 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertreten. Die Mitglieder des NFP 79 tauschen sich regelmässig mit Forschenden aus dem Ausland aus (u. a. mit den Mitgliedern der Forschungsförderstiftung ZonMw). Das 3RCC beteiligt sich auch an internationalen Initiativen wie der European Cooperation in Science and Technology (COST) mit der COST Action «CA21139 – 3Rs concepts to improve the quality of biomedical science» und dem «Togeth3R Consortium» (in der 3R-Schulung aktiv).
Mit den verschiedenen Förderinstrumenten und den Mitteln von Bund, Kantonen und Privatwirtschaft, die gegenwärtig in das 3RCC, das NFP 79 und an die Universitäten fliessen, kann der 3R-Bereich in der Schweiz gut vorangetrieben werden. Der Schweizerische Nationalfonds kann auch ausserhalb des NFP 79 kompetitive Projekte zur Förderung der 3R-Prinzipien (z. B. organs on a chip) unterstützen. Darüber hinaus ermöglichen die für 2027 erwarteten Ergebnisse des NFP 79 eine Standortbestimmung der Schweiz auf internationaler Ebene. Im Schlussbericht werden Empfehlungen für eine noch gezieltere Förderung des 3R-Prinzips formuliert und die damit verbundenen Herausforderungen aufgezeigt. Ein Vergleich mit den Massnahmen im Ausland ist deshalb verfrüht.
Kommentar aus unserer Sicht:
Leider ist es die übliche Stellungnahme im Tierversuchsbereich: bei uns ist alles bestens und es besteht keinerlei Handlungsbedarf.
Dem ist aber nicht so:
- Die Anzahl Tierversuche ist NICHT am sinken, trotz 3R und den vom Bundesrat erwähnten Massnahmen
- Der Bund hat bisher KEINE Massnahmen ergriffen, um die Tierversuchszahlen WIRKUNGSVOLL zu senken, die über das Prinzip 3R hinausgehen. Und auch das erwähnte Nationalfondsprojekt NFP 79 beschränkt sich rein auf 3R. Es gibt keinen Phase-out-plan, keine Roadmap, nichtmal Vorarbeiten hierzu.
- Während andere Ländern wie Holland, aber auch viele andere Länder, mit diesen aufwändigen Arbeiten begonnen haben, wartet die Schweiz erstmal ab, mindestens bis 2027, und überlegt dann mal weiter.
- In dieser Zeit leiden und sterben zehntausende Versuchstiere in unseren Labors, die man bei entschlossenerem Vorgehen hätte verschonen können!
24.4696 Interpellation: Sucht der Bund nach einer Strategie zur Verringerung der Tierversuche?
Eingereicht von: Schneider Meret
Einreichungsdatum: 20.12.2024
Welche Massnahmen für mehr Unterstützung tierversuchsfreier Forschung hat das 3RCC beim SNF angeregt? Falls das nicht Teil seines Auftrags ist: warum nicht?
Warum ist InnoSuisse keine Mitgliederorganisation des 3RCC, wo doch Alternativmethoden auch eine Frage der Innovationsförderung sind?
Aus früheren NFPs sind permanente Institutionen hervorgegangen (NFP 17: Stiftung Forschung 3R). Welche Möglichkeiten sieht der Bund für die Schaffung einer Institution in diesem Bereich?
Der Bund unterstützt zwei Programme, um Alternativen zu Tierversuchen zu fördern: das Nationale Forschungsprogramm 79 «Advancing 3R» (NFP 79) und das 3R-Kompetenzzentrum (3RCC). Gemäss BLV-Statistik stagnieren die Tierversuchszahlen in der Schweiz seit 30 Jahren zwischen 550'000 und 750'000 Tieren pro Jahr, hinzu kommen ungefähr noch einmal so viele «Überschusstiere».
Ungefähr ein Drittel der Projekte im NFP79 beschäftigt sich mit geistes-, sozial- und rechtswissenschaftlichen Fragen zu Tierversuchen. Dies umfasst zum Beispiel Fragen zur politischen Debatte über Tierversuche, rechtliche Fragen über neuartige Alternativmethoden sowie die Frage nach möglichen Reduktions- oder Ausstiegsstrategien.
Diese Auseinandersetzung ist essenziell, weil Wissenschaft ein gesellschaftliches System ist, in dem Veränderungen auch von rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängig sind. Das NFP79 ist jedoch nur ein vorübergehendes Programm. Das 3RCC hat keine gesonderte Abteilung für geistes-, sozial- und rechtswissenschaftliche Fragen. Man kann deshalb befürchten, dass das 3RCC zwar die naturwissenschaftliche Forschung an einzelnen Alternativmethoden fördert, nicht aber die Suche nach Strategien, um diesen Alternativen auch zum Durchbruch zu verhelfen.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass man mehr tun kann: In den Niederlanden gibt es einen Lehrstuhl für «evidenzbasierte Transition zu tierfreien Innovationen». Die deutsche Bundesregierung lässt zurzeit eine Reduktionsstrategie für Tierversuche erarbeiten. Die Europäische Kommission lässt eine Ausstiegsstrategie spezifisch für Tierversuche in der gesetzlich vorgeschriebenen Toxikologie entwickeln. Es wäre daher geboten, im Sinne einer ganzheitlichen Analyse und Betrachtung auch hier in geistes- und sozialwissenschaftliche Projekte zu investieren, damit potenzialreiche Methoden auch breit zur Anwendung kommen.
Antwort des Bundesrates vom 26.2.2025:
1. Das Schweizerische 3R-Kompetenzzentrum (3RCC) hat den Auftrag, Alternativen zu Tierversuchen zu fördern. Diese Förderung umfasst vier Aktionsfelder: die Unterstützung von Forschungsprojekten zur Entwicklung von Alternativmethoden für Tierversuche sowie Bildung, Monitoring und Kommunikation. Für die Bildung, das Monitoring und die Kommunikation im 3R-Bereich («replace, reduce, refine») ist einzig das 3RCC zuständig. Forschungsprojekte werden hingegen vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und vom 3RCC gemeinsam unterstützt. Die vom 3RCC geförderten Projekte befassen sich schwerpunktmässig mit der Entwicklung von Methoden, mit denen die Zahl der Versuchstiere verringert oder die Haltungsbedingungen der Tiere verbessert werden können. Massgebende Auswahlkriterien sind die Umsetzung und die Auswirkungen der 3R. Im Gegensatz dazu unterstützt der SNF – nach einem hochkompetitiven Selektionsprozess – im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Advancing 3R – Tiere, Forschung und Gesellschaft» (NFP 79) hauptsächlich Projekte, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern und Antworten auf gesellschaftliche Fragen geben. Dieses NFP wurde vom SNF in Zusammenarbeit mit Innosuisse entwickelt. Die Erkenntnisse aus dem NFP 79 können in die Praxis umgesetzt werden: vom 3RCC im Rahmen seiner Bildungs- und Kommunikationsaufgaben, von den Hochschulen in der Grundlagenforschung und der Implementierung und schliesslich von den privaten Akteuren in der angewandten Forschung und durch die Anwendung neuer Tierversuchsmethoden.
2. 2016 beauftragte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation swissuniversities mit der Erarbeitung eines Konzepts für ein 3R-Kompetenzzentrum. In der Folge wurde das 3RCC vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Interpharma, elf Schweizer Hochschulen und dem Schweizer Tierschutz als gemeinnütziger Verein gegründet. Das 3RCC wird gemäss Artikel 15 des Bundesgesetzes über die Förderung der Forschung und Innovation (FIFG, SR 420.1) unterstützt. Die Gründungsmitglieder des Vereins haben alle eine spezifische Funktion im 3R-Bereich und tragen durch ihre Vertretung in den Entscheidungsgremien zur strategischen Weiterentwicklung des 3RCC bei. Innosuisse unterstützt ihrerseits bereichsunabhängig Innovationsprojekte und kann so zur Entwicklung von Alternativmethoden für Tierversuche beitragen, sofern in der Privatwirtschaft ein entsprechender Bedarf besteht.
3. Ein Schlussbericht mit den Ergebnissen des NFP 79 (im Jahr 2027) wird zeigen, was mit dem Programm erreicht wurde, Empfehlungen formulieren (z. B. Wissenssicherung) und zukünftige Herausforderungen identifizieren. Der zusätzliche Mittelbedarf wird im Parlament im Rahmen der Arbeiten zur parlamentarischen Initiative Christ 21.426 «Mehr Ressourcen und Anreize für die 3R-Forschung, um Alternativen zu den Tierversuchen rascher voranzutreiben» diskutiert.
24.4697 Motion Nationales Forschungsprogramm für Organs on a Chip
Eingereicht von: Schneider Meret, Grüne Fraktion, GRÜNE Schweiz
Einreichungsdatum: 20.12.2024
Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm für die Organ-on-Chip-Technologie zu lancieren. Dieses soll zum Ziel haben, die Entwicklung, Validierung und Standardisierung dieses Ansatzes zu fördern sowie deren wirtschaftliches Potential und gesellschaftliche Auswirkungen zu untersuchen.
Organs-on-Chip sind hochpräzise wissenschaftliche Geräte, die menschliche Organe in Miniatur nachbilden, indem sie echte Zellen über winzige Kanäle und Kammern miteinander verbinden. Zum Beispiel ist es heute möglich, die menschliche Leber auf diese Weise zu studieren.
Oftmals sind Studien mit Organs-on-Chip aussagekräftiger als herkömmliche Tierversuche. Sie haben das Potential, die Entwicklung neuer Medikamente erheblich zu beschleunigen. Damit geht ein grosses wirtschaftliches Potential einher. Gemäss Schätzungen könnte die globale pharmazeutische Industrie alleine durch die Chip-Leber drei Milliarden US-Dollar jährlich einsparen.
Laut Expertinnen und Experten stehen Organs-on-Chip jedoch auch vor Herausforderungen. So können manche eingesetzten Materialien Studien verfälschen, weil sie Wirkstoffe aufnehmen. Zudem braucht es weitere Forschungsarbeit, um die Verlässlichkeit verschiedener Organ-on-Chip-Ansätze zu prüfen. Allgemein fehlt es dem Forschungsfeld noch an gemeinsamem Vokabular, standardisierten Abläufen und Standards für die Berichterstattung. Dies erschwert das Zusammenarbeiten zwischen verschiedenen Institutionen und Forschenden.
Zahlreiche Länder in Europa treiben die Forschung an Organs-on-Chip bereits mit eigenen Förderstrukturen voran, nicht jedoch die Schweiz. Dies, obwohl die Schweiz ein führender Forschungs- und Pharmaziestandort ist und den Tierschutz hoch gewichtet. Ein nationales Forschungsprogramm ist notwendig, damit die Schweiz den Anschluss nicht verliert und bietet die Chance, die Führungsposition der Schweiz im Forschungsbereich auszubauen.
Antwort des Bundesrates vom 26.2.2025:
Der Bund fördert die Forschung im Allgemeinen nach dem Bottom-up-Prinzip: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler reichen Forschungsvorhaben ein, die unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Wettbewerb finanziert werden. Dieses Prinzip gilt auch bei der Innovationsförderung für Projekte, die von Innosuisse unterstützt und von der Privatwirtschaft mitfinanziert werden.
Zurzeit unterstützt der SNF über das Nationale Forschungsprogramm «Advancing 3R» (NFP 79) und das Schweizerische 3R-Kompetenzzentrum (3RCC) über sein Projektförderprogramm mehrere Vorhaben im Bereich «organs on a chip» (siehe auch Antwort auf das Postulat 24.4695). Innosuisse ist am NFP 79 beteiligt. Dem Transfer einer für klinische Versuche erfolgversprechenden Technologie in die Privatwirtschaft steht grundsätzlich nichts im Weg. In jüngster Zeit wurden im Zuge dieser innovativen Projekte mehrere Start-ups gegründet, beispielswiese zur Nachbildung von Lunge und Leber. Diese Start-ups arbeiten mit Pharmaunternehmen zusammen.
Für die Forschungsförderinstrumente wie das NFP verweist der Bundesrat auf das etablierte Auswahlverfahren. In den Prüfrunden für neue NFP werden basierend auf den Vorschlägen der interessierten Kreise und der bestehenden Strategien des Bundes sowie unter Berücksichtigung der parlamentarischen Anträge mögliche Themen ausgewählt. Die Themenvorschläge für ein NFP werden anschliessend im Rahmen einer Gesamtbeurteilung priorisiert und die Bundesämter über den interdepartementalen Koordinationsausschuss für die Ressortforschung konsultiert. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation erarbeitet anschliessend die Programmvorschläge, die dem SNF für eine Machbarkeitsprüfung unterbreitet werden. Nach diesen ersten Schritten entscheidet der Bundesrat in Abhängigkeit der verfügbaren Mitteln über die Lancierung eines neuen NFP. Der Bundesrat hält es nicht für sinnvoll, ein bestimmtes Thema mit einem speziellen NFP-Prozess zu fördern.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
24.436 Parlamentarische Initiative: Zukunftsfähige Forschung mit einem Plan für den Ausstieg aus belastenden Tierversuchen fördern
Eingereicht von:
Grüne Fraktion, GRÜNE Schweiz
Einreichungsdatum: 14.06.2024
Das bestehende Tierschutzgesetz soll mit einem stufenweisen Ausstiegsplan aus belastenden Tierversuchen ergänzt werden. Der Ausstiegsplan legt verbindliche Ziele, Meilensteine und Fristen fest. Die Ausarbeitung des Ausstiegsplans soll unter Einbezug von Wissenschaft, Tierschutz und Industrie erfolgen.
Das Tierschutzgesetz legt bereits heute fest, dass Tierversuche auf das unerlässliche Mass zu beschränken sind (Art. 17) und Belastungen nur zugelassen sind, soweit diese für den Zweck des Versuchs unvermeidlich sind (Art. 20 Abs. 1). Bereits mit heutigen Technologien können eine Vielzahl der Ziele der Versuche mit Methoden ohne Tierversuche erreicht werden. Dabei zeigt sich, dass diese tierversuchsfreien Methoden in punkto Übertragbarkeit, Nutzen und Kosten dem Tierversuch deutlich überlegen sind (1). Die Entwicklung dieser Methoden schreitet kontinuierlich voran: Mit entsprechenden Massnahmen wie bspw. eine stärkere Finanzierung kann sie aber auch beschleunigt werden. Wenn die Schweiz sich vermehrt dafür einsetzt, dass tierversuchsfreie Methoden in unserem Forschungsplatz entwickelt und angewendet werden, kann sie sich auf lange Sicht als wichtige, internationale Innovatorin etablieren.
Ein verbindlicher Ausstiegsplan ergänzt das bestehende Tierschutzgesetz. Es ist das fehlende Puzzlestück, denn er liefert die nötigen Massnahmen, um Forschungszwecke tierversuchsfrei zu erreichen und somit den belastenden Tierversuch vermeidbar zu machen. Forschung soll nicht verboten werden. Im Gegenteil, sie soll innovativer und zukunftsfähiger werden. Grossbritannien hat bereits dieses Potential erkannt. Im Februar 2024 wurden verschiedene Massnahmen und eine Roadmap angekündigt (2).
Eine verbindliche Zusage zu einem stufenweisen Ausstiegsplan aus belastenden Tierversuchen ist für einen innovativen, tierversuchsfreien und zukunftsfähigen biomedizinischen Forschungsplatz Schweiz zentral. Wichtig dabei ist auch, dass die konkrete Ausarbeitung des Ausstiegsplans unter Einbezug aller relevanten Akteur:innen erfolgen muss. Nur so kann sichergestellt werden, dass Wandel mitgetragen und nicht blockiert wird.
Am 19.9.2025 beschloss der Ständerat, der Initiative keine Folge zu geben.
Wer wie gestimmt hat können Sie diesem Dokument entnehmen.
Die Diskussion finden Sie hier.
21.426 Parlamentarische Initiative: Mehr Ressourcen und Anreize für die 3R-Forschung, um Alternativen zu den Tierversuchen rascher voranzutreiben
Eingereicht von:
Grünliberale Fraktion, Grünliberale Partei
Einreichungsdatum: 18.03.2021
Die gesetzlichen Grundlagen werden so angepasst, dass die 3R-Forschung mehr Ressourcen und Anreize erhält, um Alternativen zu den Tierversuchen rascher voranzutreiben.
Der Bundesrat hat die Zeichen bereits erkannt und ein neues nationales Forschungsprogramm 3R lanciert. Mit der Schaffung des 3R Kompetenzzentrums übernahmen die Hochschulen und die Pharmaindustrie die Verantwortung für die Etablierung einer 3R-Kultur in der Schweiz. Der Nationalrat lehnt die Initiative "Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot - Ja zu Forschungs-wegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschrittbeherbergt" ab und will ihr auch keinen direkten oder indirekten Gegenvorschlag gegenüberstellen. Die Vision der Welt ohne Tierversuche bleibt aber bestehen. Solange wir aber keine Alternativen haben, wird es wohl vorerst dabei bleiben.
Das Ziel menschliches Leiden zu lindern, steht dabei dem Ziel gegenüber, das Leiden von Tieren zu vermeiden. Die Lösung des Dilemmas wäre, dass wir auf Tierversuche verzichten können, weil die nachhaltige Weiterentwicklung alternativer Forschungsmethoden diese überflüssig gemacht haben. Denn Alternativen zu Tierversuchen sind nicht nur wichtig, um das Leiden der Tiere zu vermeiden. Auch wenn Tierversuche in der Vergangenheit für die Forschung wichtige Erkenntnisse geliefert haben, belegt die moderne Forschung selbst immer häufiger, dass Tierversuche auch erhebliche Mängel beherbergen. Die Erkenntnisübertragung vom Tierversuch auf den Menschen ist nach wie vor unzureichend und fehleranfällig.
Der Bundesrat hat die Zeichen erkannt und ein neues nationales Forschungsprogramm 3R lanciert. Mit der Schaffung des 3R Kompetenzzentrums übernahmen die Hochschulen und die Pharmaindustrie die Verantwortung für die Etablierung einer 3R-Kultur in der Schweiz, um auch die Entwicklung von Alternativen zu den Tierversuchen zu unterstützen. Damit aber die 3R-Forschung dauerhaft mehr Ressourcen und Anreize erhält, um Alternativen zu den Tierversuchen rascher voranzutreiben, braucht es eine Implementierung auf Gesetzesstufe.


